Heike Fuehr: SEXUALITÄT – Tipps für chronisch Kranke

buchtitel-sexualitaetIntimität ist mehr als Sex – Wenn SEX zur Nervensache wird… Kaum ein Gebiet ist so intim, scham –und angstbesetzt, wie die eigene und die Paar-Sexualität. Und kaum etwas anderes in einer Beziehung macht uns so verletzlich. Dabei ist Sexualität eine wundervolle Möglichkeit,  Nähe zum geliebten Partner herzustellen und zu halten, oder in schwierigen Lebensphasen nicht den „Kontakt“ zueinander zu verlieren. Aber besonders wenn ein Paar mit der Diagnose einer chronischen Erkrankung, wie z. B. MS, konfrontiert wird, versteht man, wie wichtig es ist, sich gegenseitig zu begreifen. Hier hilft die Autorin mit Ratschlägen, die sie auf Grund vieler  Recherchen und Interviews mit an „Multipler Sklerose“ – Erkrankten führte. Aber auch für  Singles hält die Autorin Vorschläge bereit! Alltagsnah und somit sowohl für „Gesunde“ als auch für chronisch Kranke, ist dieses Buch ein Begleiter in Sachen Sexualität. Behutsam wird der Fokus auf das gegenseitige Verstehen und Vertrauen gelenkt und zeigt Gesprächs-Formen auf.  Ein kurzweiliger und lebensnaher kleiner Ratgeber, der in keinem Haushalt fehlen sollte.

Taschenbuch: 68 Seiten

Verlag: Books on Demand; Auflage: 1 (24. September 2014)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3735793991

ISBN-13: 978-3735793997

Größe und/oder Gewicht: 14,8 x 0,4 x 21 cm

Preis: 5,99€

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LESEPROBE

Sexualität und Körperbehinderung

Wenn Körperbehinderung „eine individuelle körperliche Behinderung eines Menschen“ ist, müssen wir erst einmal das Wort „Körperbehinderung“ klären: laut Wikipedia:

„Ein physiologisches Defizit oder Handicap (Christoph Leyendecker). Es wird eine Person als körperbehindert bezeichnet, die infolge einer Schädigung des Stütz-und Bewegungsapparates, einer anderen organischen Schädigung, oder einer chronischen Krankheit so in ihren Verhaltensmöglichkeiten beeinträchtigt ist, dass die Selbstverwirklichung in sozialer Interaktion erschwert ist (vgl. Leyendecker 2005).“

Es gibt also den körperlichen Aspekt einer Behinderung, die wie oben beschrieben einen Auslöser durch eine körperliche Schädigung hat, oder auch den sozialen Aspekt.

Allerdings erklären Fachberichte, dass eine Behinderung nicht allein durch individuelle Faktoren entsteht (z. B. körperliche Handicaps), sondern vor allem erst durch Barrieren in der Umwelt begünstigt werden. Leider erlauben es diese Barrieren manchen Menschen mit Beeinträchtigungen nicht, würdevoll am Alltag teilzuhaben. Denn je weniger eine Behinderung mit ihrer Beeinträchtigung Beachtung erhält und somit nicht angemessen auf die Handicaps eingegangen wird, desto eher erhält eine Beeinträchtigung das Gewicht der „Behinderung“.

Sicherlich ist eine diagnostizierte MS „vorhanden“ und für den Betroffenen sehr spürbar, aber oft machen es äußere Umstände oder auch außenstehende Personen erst zu einem wirklichen Problem. Oft verhalten sich außenstehende Personen so „beeinträchtigend“, dass die Behinderung erst dadurch auffällt, Raum einnimmt und somit nicht mehr „unauffällig“ gehandhabt werden kann.

Die Behinderung an sich ist also auch etwas subjektiv Wahrnehmbares und Fühlbares. Ist ein körperlich Beeinträchtigter aber in seinem Leben ein  rundum glücklicher Mensch, wird die Behinderung nicht so eine große Rolle spielen. Maßgeblich ist hierbei immer, ob er seine Behinderung gut akzeptieren und in den Alltag integrieren kann. Und ganz besonders wichtig: hat er ein ausreichendes intaktes soziales Gefüge um sich herum?

Bei einem vergleichbar Behinderten, der kein Teil eines ausgewogenen sozialen Gefüges ist, vielleicht noch auf Grund seiner Behinderung gemobbt wird, oder Steine in den Weg gelegt bekommt, wird die gleiche Beeinträchtigung eine wesentlich höhere Rolle spielen und ihn mehr belasten.

In jedem Fall ist der Weg für ein selbstbestimmtes Leben in der Gesellschaft  für viele Menschen mit Behinderung selbst heutzutage noch sehr schwer.

Multiple Sklerose ist die Krankheit mit den 1000 Gesichtern, die sich noch dazu bei jedem Betroffenen auf individuelle Art und Weise zigmal anders und völlig unterschiedlich zeigen und vor allem auswirken kann.

MS ist bei den Betroffenen oft auf den ersten Blick nur erkennbar, wenn zum Beispiel jemand im Rollstuhl sitzt, den Rollator oder einen Gehstock zur Hilfe benötigt. Oder wenn Körperteile gelähmt und leicht entstellt sind.

Genauso oft, bzw. sogar noch öfter, gibt es die sogenannten „unsichtbaren Symptome“ der MS. Wie zum Beispiel Fatigue, Schwindel, Inkontinenz.

Darunter fällt auch das Thema „Sexualität“, denn man sieht keinem Menschen (auch nicht einem ansonsten Gesunden) an, ob er sexuelle Probleme hat.

Es gibt MS`ler, die kennen diese unsichtbaren Symptome vielleicht nicht, dafür aber andere gravierende Auswirkungen der Krankheit. Es gibt MS`ler, die im Rollstuhl sitzen und trotzdem sexuell aktiv sein können. Also sollte man als Außenstehender auf keinen Fall denken, ein im Rollstuhl Sitzender wäre nicht mehr fähig, sexuell aktiv zu sein und sich sowieso hüten, trügerische Schlussfolgerungen zu schließen.

Der äußere Schein trügt so oftgerade bei MS!

Es gibt also alle möglichen Fälle und hier in diesem Buch widme ich mich nun den sexuellen Problemen bei MS.

Sexualität gehört zu einer Beziehung, die über das rein Freundschaftliche hinauswächst, dazu. Durch die gute Möglichkeit zu verhüten, ist Sexualität im Laufe vieler Jahrzehnte auch freier und unabhängiger geworden.

Sexualität hat somit in unserer Gesellschaft zwar einen deutlich größeren Raum eingenommen, aber trotzdem ist das Thema oft noch schambehaftet. Funktionierende Sexualität ist etwas Wundervolles in einer Partnerschaft.

Sexualität, die allerdings mit Problemen behaftet ist, kann eine Partnerschaft zerstören und das ist sehr schade.

Sexualität mit Beeinträchtigungen, bedingt durch eine Krankheit wie MS, ist auf ihre Art und Weise speziell, muss aber nicht zwangsläufig problematisch sein. Es kommt immer darauf an, wie die Partner miteinander umgehen, wie offen sie das Thema besprechen können und ob sie einen für BEIDE zufriedenstellenden Weg finden.

Es ist wichtig, sich immer wieder klar zu machen, dass der Geschlechtsakt nicht der einzige Weg ist, seine Liebe und Fürsorge mitzuteilen und zu „geben“. Miteinander zu kuscheln und sich liebevoll zu halten, ist ebenfalls ein intensives und einzigartiges Erlebnis in einer Partnerschaft. Sich zu umarmen, zu berühren und zu liebkosen ist auch ein Weg, intim zu sein.

Sexualität kann die ganze Reichweite des sinnlichen Erlebens erfüllen. Besonders schön und wichtig ist es, ein positives Körpergefühl, absolutes Wohlfühlen und „Ankommen“ in Geborgenheit zu spüren. Auch dies kann sehr wohl eine Art der Befriedigung sein.

Sicher ist: jeder Mensch hat ein Recht auf Intimität.


 Heike Führ

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