Erfahrungsbericht: Heike Führ

Meine Form der MS besteht zu 90% aus Fatigue und enormer Kraftlosigkeit. Wenn ich mich körperlich viel bewegt habe, was mir grundsätzlich gut tut, dann brauche ich danach große und lange Ruhepausen. Seitdem ich keine Basistherapie mehr mache (seit Anfang 2014) geht es mir insgesamt deutlich besser, aber die progrediente (schleichende) Form der MS hat auch bei mir nach über 22 Jahren Einzug gehalten und dementsprechend plagen mich auch andere MS-Zipperlein. Längeres Laufen ist nur bedingt GUT möglich, Sehen ebenso – manchmal gut, manchmal nicht so gut: das Übliche eben, wie es fast jeder MS`ler kennt.

Da ich viele Pausen brauche und dabei auch meinen Kopf anlehnen muss (weil ich sonst zu keiner Entspannung finde), mein Geist aber WACH ist und meine Kreativität ebenfalls hellwach ist, mache ich die „Not zur Tugend“ und schreibe halbliegend meine Texte. Das geht natürlich nicht mitten im Sturm des Fatigue-Anfalls und auch nicht, wenn meine Arme bleischwer und meine Finger taub sind – aber wenn ich dazu in der Lage bin, schnappe ich mir in dieser Position meinen Laptop und lasse meine Gedanken aus mir herauspurzeln.

Die meisten meiner Ideen entspringen ganz einfach meinen Gefühlen, meinem individuellen Erleben, meiner Kreativität und auch dem bewussten Hinschauen. Auf Grund meiner fundierten pädagogisch/psychologischen Ausbildung, sowie jahrelanger Psychotherapie habe ich gelernt genau hinzuschauen, Symptome zu erkennen, wahrzunehmen und klar zu benennen. Dann kann ich sie in „Worte“ fassen und auch widergeben. Interessanter Weise fällt mir dies trotz meiner ständigen Erschöpfung nicht schwer – im Gegenteil: es sprudelt einfach aus mir heraus und ERLEICHTERT mich.

Zum Zweiten lese und recherchiere ich viel und auch dabei kommen mir Ideen oder ich nutze das Recherchierte um Neues zu kreieren. Oder ich wandele etwas ab und wende es auf die MS bezogen an – so entstehen auch viele meiner Grafiken, die ich allesamt selbst bastele. Ansonsten, wenn sie nicht selbst kreiert sind, ich die Herkunft kenne und diese gekennzeichnet werden muss, tue ich das selbstverständlich, denn das Copyright ist mir ja auch bei meinen eigenen Sachen wichtig.

Meine Bücher entstehen ebenso: ich recherchiere sehr viel, das ist für mich eine überaus beruhigende Tätigkeit (die ich ja ebenfalls im Halbliegen ausübe). Ich lerne dabei Neues und komme bei mir an. Ich kann reflektieren und versuchen das Gelesene auf mich und auch meine Leser zu übertragen. Aus den Sammlungen meiner Texte, aus diesen Recherchen, aus Interviews mit Gleich-Betroffenen und/oder Angehörigen und Gesprächen mit Ärzten entsteht dann eine zum Thema passende Zusammenfassung, die ich so „herrichte“, dass sie zum Buch werden kann. Meine neuesten Bücher lockere ich auch mit den oben genannten Grafiken auf. Ein Buch zu kreieren, es zu setzen, zu gestalten und zu formen ist für mich reines Vergnügen – es tut mir gut, es ist wie ein „Flow“, der mich weiterbringt…

Für mich ist Schreiben eine Form der Therapie. Ich verarbeite beim Schreiben und Bloggen meine MS. Ich lerne hinzu und kann täglich meinen Umgang mit der MS überprüfen, reflektieren und den Umgang damit dann ggfls. neu gestalten.

Außerdem habe ich ganz selten Abgabetermine zu beachten, da dies alles ein Hobby ist. Ich muss nichts, ich kann und darf und das ist ein Geschenk. Ich bin dankbar, für mich solch ein Ventil gefunden zu haben.

Es erfüllt mich, solch eine nette Gemeinschaft auf meiner FB-Seite initiiert zu haben, helfen zu können und dabei ebenfalls zu lesen, dass auch ich mit meinen Symptomen nicht alleine stehe… Ein Geben und Nehmen sozusagen, für das ich wirklich dankbar bin und das mich völlig ausfüllt.

Neben der Familie und Freunden ist unser Hund Smiley für mich ein ganz wichtiger Partner und Seelentröster. Das, was er mir gibt, ist kaum mit Worten zu beschreiben. J

Meine Einstellung zur MS ist von Optimismus und Lebensfreude geprägt. Ich biete der MS die Stirn, ohne gegen sie anzukämpfen, benenne deshalb auch die Symptome sehr klar, damit ich meinen Umgang mit den Beeinträchtigungen schulen und anpassen kann.

MS ist nicht das Ende, sondern ein neuer Anfang!

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